Baku

Sonntag, 23.10.2004 (Bericht von Verena, Silke und Karin - Bilder folgen)

 

Mit einer Woche Verspätung, aber mit Verena, da Verenas Krankenhausaufenthalt sie nicht von der Bakureise abhalten konnte, beginnen wir unseren einwöchigen Baku-Aufenthalt. Der Flug war mit der Sonderbetreuung des Wiener Stewards sehr angenehm.

Punkt 0.50 landete die Fokker in Baku Airport. Ein Azeri mit null Englisch-, geschweige denn Deutschkenntnissen sollte uns –Silke, Karin und Verena – abholen und in unser Appartement nach Baku befördern. Nachts um 3 erreichten wir dann auch unser Quartier. Verwöhnt vom letzten Jahr waren wir von der Ausstattung und dem „Drumherum“ sehr enttäuscht und wünschten uns „unseren Azik“ zurück. Der neue „Azik“ hieß Saima und wohnte nebenan. Sie hat uns bereits am ersten Tag 10mal „besucht“, um uns auf Russisch mitzuteilen, was wir dürfen und was nicht, vor allem, dass wir ständig das "Wasser" ausschalten sollen. Die Wasserzufuhr lässt sich nur über einen Strom-Schalter regeln, der die Umwälzpumpe an-, bzw. ausschaltet (aber das erfuhren wir erst später).

 

Da wir im letzten Jahr den Basar auslassen mussten, haben wir den in diesem Jahr nachgeholt und zwar gleich am ersten Tag.

Ohne aserische Begleitung (Yashar war noch in Moskau), haben wir ein Taxi geordert, den Fahrpreis ausgehandelt und sind ohne nennenswerte Verluste sowohl zum Basar als auch wieder zurück gekommen (ein symbolisches "Auf-die-eigene-Schulter-klopfen" ist hier sicher angebracht). Dabei haben wir sowohl Dollars, als auch Manaten in Materie umgesetzt: Fellmütze, Folkloreschals, Stiefel, Tee, Gewürze, Lederjacke, Gürtel und Naturalien, die sofort einverleibt wurden.

Nach etwas längerem Marsch in die City, auf der Suche nach einem Restaurant, sind wir in einer türkischen Gaststätte fündig geworden: ein gutes Abendessen und ein Schlachtplan für den kommenden Tag rundeten den Tag ab.

 

Montag, 24. 10. 2004

 

Mutig wie wir waren, ergatterten wir auch am Montag ein Taxi und ließen uns (einen spontanen Entschluss vom Vortag umsetzend) zum Hippodrom  fahren.

Entschlossen betraten wir bei strahlendem Sonnenschein das Hippodrom und wie es der Zufall wollte, kam uns Natik, der uns vom letzten Jahr bekannte Jockey freudig entgegen und begrüßte uns.

Ohne große Umstände standen wir kurze Zeit später vor unserem ersten Karabagh Hengst im Stall des Staatsgestüts – trotz Dämmrigkeit leuchten uns die goldenen Pferde mit den großen Augen entgegen! Dieses Strahlen vergrößert sich, als einige der Pferde herausgeholt wurden. Die Tiere sahen dieses Jahr von Kondition und Ernährung sehr gut aus. Ein besonders gelungener Hengst – Gargat, 3 Jahre – wird wohl zur Zucht eingesetzt werden. Er ist leider nicht zu verkaufen! Währenddessen wird Rajabli, der Zuchtbeauftragte für Pferde und andere Tiere, geholt. Er freute sich sichtlich, uns wieder zu sehen und lud uns zum Mittagessen ein. Wir führten ein produktives Gespräch – Rajabli war sehr kooperativ und entgegenkommend, er möchte mit uns zusammen arbeiten!!!

Beflügelt verließen wir das Restaurant – mit soviel Erfolg hatten wir ohne Termin und ohne Yashar nicht gerechnet! Natik fuhr uns in unsere Wohnung zurück, auch er muss nach dem Weg fragen!!!

Nach einem kurzen Besuch in der Wohnung machten wir uns zu einem Stadtbummel auf und tranken Chai, wobei wir grinsend von den Einheimischen beäugt wurden.

Im Anschluss besorgten wir uns noch Brot, Wein und Käse und machten uns einen gemütlichen Abend und arbeiten unser Stutbuch auf.

 

Dienstag, 25. 10. 2004

 

Wir suchten wir ein Internetcafé auf, um das Mail nach Hause zu schreiben und abzurufen – in Baku gibt es an jeder Ecke ein Internetcafé.

Da der Tag schön zu werden schien, beschlossen wir, einen Teil des Tages am Meer zu verbringen. Das war allerdings nicht ganz so einfach, da wir noch nicht einmal wussten, wo wir uns in Baku befanden. Also haben wir einen Stadtplan gekauft und uns zeigen lassen, wo wir genau waren. Glücklicherweise war das Meer nur 20 Fußminuten entfernt, so dass wir die „Suche“ aufnahmen. Während unseres Fußmarsches kam ein Anruf von Yashar, der mittlerweile von Moskau auch in Baku eingetroffen war und uns am späten Nachmittag (laut eigener Aussage!!!) treffen wollte. Am Kaspischen Meer waren Angler, Liebespaare, Kutschen mit ausgemergelten Ponies und Engländer unterwegs. Wir nahmen dort unseren üblichen Nachmittags-Chay ein und liefen dann wieder zurück. In der Wohnung haben wir dann das Stutbuch noch einmal genauer unter die Lupe genommen; Khandan Rajabli wollte ja eine deutsche Kopie davon haben.

Abends endlich traf Yashar hier ein, holte uns ab und zeigte uns seine Nachwuchs-Karabaghhengste, und die beiden von Verena gekauften. Alle Hengste waren in guter Verfassung und korrekt gebaut.

Ada und Gartal, die beiden Hengste, die wir letztes Jahr ausgesucht hatten, haben sich sehr gut entwickelt.

Kurz vor Mitternacht kamen wir wieder zurück und hatten noch Hunger. Wir suchten nach einem Restaurant und fanden per Zufall ein grusinisch-georgisches, das uns nach abenteuerlicher Konversation (wir lehnten dankend aber vehement das Angebot von Coca-Cola ab, obwohl der Kellner uns ebenso vehement klar zu machen versuchte, dass es KEIN Cola war- irgendwann haben wir es kapiert und den Rotwein aus der Colaflasche akzeptiert). Uns wurden gefüllte Teigtaschen (Pjelmeni) kredenzt, wovon jede von uns zehn verdrücken sollte. Wir müssen tatsächlich sehr verhungert ausgesehen haben. Wir haben ihn sicher sehr enttäuscht, als wir noch 14 zurückgehen ließen.

 

Mittwoch, 26. 10. 2004

 

„Pünktlich“ um 10.30 Uhr wurden wir von Yashar  mit einem Taxi abgeholt und fuhren zum Hippodrom, wo uns die neu gebaute, fast fertig gestellte Horse Club Anlage – alles vom Feinsten – gezeigt wurde. Es gibt sogar Roundpen, eine runde Schwimmbeckenanlage für die Trainingspferde und ein Solarium! Im Anschluss wurden uns zwei Dillboss Hengste, zwei- und vierjährig, etwas unterentwickelt, aber sehr hübsch vorgestellt.

Da wir schon sooo lange keinen Karabaghen mehr gesehen hatten, fuhren wir nun mit Natik zu Yashars Gut und bekamen die Nachwuchshengste an der Longe fürs Fotoshooting vorgestellt. Verena strahlte wie ein Honigkuchenpferd über ihre beiden Hengste Ada und Gartal und Silke verliebte sich in Ada (zum Glück mag Karin lieber Stuten)!         (Bild rechts: Dillboss Safir, 4 Jahre alt)

Nun wurde eine Dillboss Stute vorgeritten. Yashar bot Silke an, die Dillboss Stute zu reiten, wofür sie mit einem neuen Sattel aus Moskau, der sich als sehr bequem herausstellte, umgesattelt wurde.  Die Stute war sehr sensibel und aufmerksam und bemühte sich redlich, Silkes Kommandos, die sich von der aserbaidschanischen Reitweise unterscheiden, zu verstehen. Silke war sehr begeistert von der Stute, sie war sehr bequem zu sitzen und zeigte Gangveranlagung.

Danach fuhren wir querbeet mit dem Lada zu Yashars Stutenherde. Die Tiere werden uneingezäunt auf dem Gelände von Yashar gehalten und suchen sich ihr Futter. Die diesjährigen Fohlen waren bereits abgesetzt, sie besuchten wir im Anschluss in ihrem Stall.

Nun fuhren wir zum Horse Club der Achal-Tekkiner und Araber und tranken mit dem Manager Tee – die Stimmung war etwas eisig, drei Frauen ohne Achal-Tekkiner am Tisch mit 4-5 Männern. Da Hans Hutmacher sich von Nachkommen des Hengstes „Getman“ interessiert, wurde dieser uns vorgestellt und wir fotografierten ihn.

Nachdem wir beim Teetrinken die „ganzen“ Nüsse gegessen hatten, beschlossen wir nun was Richtiges zu essen,  es war schon 17.30 Uhr!

Wir riefen natürlich Aseri Food, auf Nachfrage von Yashar und fuhren in ein Restaurant, wo wir uns in einem Separée niederließen.

Während dem Essen zeigten wir Yashar und Natik unsere Fotos von den Karabaghen in Westeuropa. Nach dem Essen kam Rajabli mit dem Bruder von Natik und wir schauten die Filme mit Hilfe von Verenas Laptop an. Die Stimmung war sehr freundschaftlich und wir unterhielten uns über die Karabaghzucht.

Im Anschluss fuhren wir mit Natik und Yashar zu einem Privatmann und schauten uns eine Karabaghstute mit ihrem Fohlen von Senat an. - (Bilder unten Fuchs ohne Abzeichen: Gartal - Dunkelfuchs: Ada)

Es war schon spät geworden und so wurden wir wieder in unsere Wohnung gebracht.

 

Donnerstag, 27.10.2004

 

Heute waren wir faul – wir sind durch Baku geschlendert und haben Schmuck eine Säbel, Stoffe und Borten für die traditionell nachempfundenen Kostüme, die wir für unsere Messeauftritte anfertigen wollen gekauft.

Abends sind wir aserbaidschanisch essen gegangen, dort haben wir dann Yashar getroffen und geplaudert.

 

Freitag, 28.10.2004

 

Morgens sind wir von Yashar abgeholt worden und ins Hippodrom gefahren. Da wir noch eine Stunde auf Rajabli warten mussten wurden uns verschiedene Dillbossen und Karabaghen zum filmen und fotografieren vorgeführt. Wir trafen Swetlana, eine Frau mit vielen Pferden, die Verena bereits kannte, und die sich sehr freute uns zu sehen und uns alle ihre Pferde, überwiegend englische Vollblüter vorstellte.

Nun kam Rajabli und wir fuhren ins seinem Regierungsmercedes mit Chauffeur zu dem privaten Karabaghgestüt, in der Nähe des Flughafens. Die Stallungen waren sehr hell und luftig und alle Pferde zu unserer Freude draußen auf weiträumigen Koppeln. Zuerst schauten wir uns die Stutenherde, 4 Karabaghstuten mit 3 Fohlen und englische Vollblüter, an. Dann den nebenan stehenden Karabagh Hengst, der einen sehr zufriedenen ausgeglichenen Eindruck auf seiner großen Weide machte.

Zum Schluss wurde uns noch ein Achal Tekkiner Junghengst vorgestellt, der zum Verkauf ansteht. Zu unserer Freude wurde uns mitgeteilt, dass auch dieser sehr einflussreiche private Züchter von Achal Tekkiner  auf Karabaghen Zucht umstellt hat.

Wir führten zusammen Gespräche über unsere zukünftige, gemeinsamen Projekte und eine Zusammenarbeit zwischen deutschen, schweizer und aserbaidschanischen Züchtern.

Im Anschluss gingen wir mit Yashar und einem Freund von ihm, der Redakteur von der Zeitung Media News ist, essen. Der Redakteur möchte einen Artikel über uns in seiner Zeitung bringen und bat uns Material hierfür zusammen zu stellen.

Es war ein sehr lustiges Essen – wir haben viel gelacht.

Als wir so richtig voll gegessen waren fragte Yashar Silke, ob sie ein Pferd im Hippodrom reiten möchte – klar immer doch. Also fuhren wir wieder ins Hippodrom und ein Englisch Vollblut-Dillboss-Mix wurde auf aserbaidschanische Art gesattelt. Sobald Silke auf dem Pferd saß rannte es los – das gehört wohl so – nach einigem Hin- und Her reiten  ging Silke auf die Rennbahn und ließ dem Pferd seinen Willen uns es rannte im Galopp davon. Auch dieses Pferd war gut zu sitzen, allerdings hart im Maul.

Nun gingen wir mir Yashar in eine Bar etwas trinken und plauderten.

Es war schon spät und wir beschlossen heim zu laufen, was Yashar gar nicht verstand, man fährt hier jeden Meter Taxi. Wir kamen an einem großen Supermarkt vorbei, wo wir Tee und Trockenobst einkauften. Im Supermarkt fragte ein junges Mädchen Verena nach ihrem auffälligen Ring, Verena ließ sie den Ring probieren, das Mädchen strahlte und ihre Augen leuchteten, so dass Verena spontan beschloss ihr den Ring zu schenken. Das Mädchen war überglücklich!!!

Es war schon spät und wir mussten noch den Artikel für die Zeitung schreiben – in Englisch! Also zupften wir eine Flasche Wein auf und bemühten uns redlich. Gegen Mitternacht gaben wir auf und beschlossen den Rest morgens fertig zu stellen.

 

Samstag, letzter Tag

 

Selbst Verena schlief heute bis 11.00 Uhr, wir frühstückten und dann ab an den Laptop Artikel schreiben. Als wir fertig waren kam auch schon Yashar mit seiner Familie und wir gingen zusammen essen.

Danach fuhren wir ins Hippodrom, wo der Jockey Natik, der fast alle unsere Karabaghen geritten hat, Mitglied in der IG Karabagh und eurasische Pferderassen wurde.

Nun hieß es leider Koffer packen. Nachts ging unser Flieger zurück nach Frankfurt.

 

Zusammenfassend haben wir den Eindruck, dass das Eis gebrochen ist und wir in Baku auch beim Ministerium einiges bewegen konnten – die Karabaghen werden nicht aussterben. Immer mehr private Eigentümer sind bereit mit ihren Stuten zu züchten, andere Züchter möchten in die Karabaghen Zucht einsteigen. Die Pferde sind in viel besserem Zustand, Yashar hat beispielsweise seinen Pferden dieses Jahr Wurmkuren gegeben.

Yashar teilte uns mit, dass der verbesserte Zustand der staatlichen Pferde im Hippodrom auf Verenas ersten Zeitungsartikel und jährlichen Besuche zurückzuführen sei.

Nächstes Jahr werden wir im Juli wieder nach Baku fliegen.